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Gewässerentwicklungsmaßnahmen im Bröleinzugsgebiet seit 2017

Naturbelassener Gewässerabschnitt der Bröl

Die Bröl ist für den Fachbereich Gewässerentwicklung des Aggerverbandes ein besonderer Fluss. Mit ihren berichtspflichtigen Nebengewässern Waldbrölbach, Becher Suthbach, Derenbach und Harscheider Bach entwässert sie ein Einzugsgebiet von ca. 220 km² und bietet aus ökologischer Sicht unter anderem ein hohes Potenzial für eine dauerhafte Wiederansiedelung gesunder Lachspopulationen. Über viele Jahre wurden hier daher, insbesondere im Rahmen des PROjekts Bröl, große Anstrengungen unternommen, Defizite in der Gewässerstruktur zu beheben und die ökologische Qualität insgesamt zu verbessern. Schwerpunktziele waren die Wiederherstellung der Durchgängigkeit, die Reduktion des Nährstoffeintrages (z. B. von Teichanlagen und intensiv genutzte Uferbereichen) sowie die Erhöhung der Strukturdiversität in und am Gewässer (unter anderem durch gezieltes Anstoßen der eigendynamischen Entwicklung in ausgewiesenen Migrations- und Dynamikräumen). Während des PROjekts Bröl konnten auf diese Weise über 6 km Gewässerstrecke in 19 Maßnahmenbereichen gewässerökologisch entwickelt werden.

Auch wenn das PROjekt Bröl im Jahr 2016 endgültig abgeschlossen wurde, ist der Aggerverband nach wie vor im Einzugsgebiet der Bröl und ihrer Nebengewässer sehr aktiv, was die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie angeht. Um die ökologische Entwicklung der Bröl weiter voranzubringen, wurde ein umfangreiches Maßnahmenkonzept entwickelt und größtenteils umgesetzt. Besonders die Bröl selbst und ihre beiden größten Nebengewässer Waldbrölbach und Becher-Suthbach liegen hierbei im Fokus.

 

Übersicht Bröl-Einzugsgebiet
Übersicht Bröl-Einzugsgebiet

Alle Maßnahmenbereiche liegen innerhalb von Strahlursprungsbereichen oder schließen unmittelbar an einen Strahlursprung an und sind somit von besonders hoher Bedeutung für das Gewässerökosystem. Im Wesentlichen wurde der Rückbau von verschiedenen wasserbaulichen Befestigungsmaßnahmen umgesetzt, die Entwicklung von Uferstreifen vorangetrieben sowie durch die Einbringung von Totholz und Strömungslenkern natürliche bzw. naturnahe Strukturen geschaffen, die auch die ökologischen Wechselbeziehungen zwischen Gewässer und Aue verbessern. Hierdurch werden sich langfristig leitbildgerechte und eigendynamische Entwicklungen und Biotopumstrukturierungen einstellen. Auf diese Weise kann langfristig die Gewässerökologie verbessert und damit an bereits durchgeführte Gewässerentwicklungsmaßnahmen aus dem PROjekt Bröl angeknüpft werden. Auch die Sanierung der Bröl als Salmonidenlaichgewässer wird so weiter vorangebracht.

Die Maßnahmenumsetzung erfolgte zum Großteil als Eigenbetriebsleistung durch den Fachbereich Gewässerunterhaltung. 80% der Kosten konnten dabei von der Bezirksregierung über Fördermittel zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie finanziert werden. In einigen Fällen waren auch Flächenankäufe notwendig, um die ökologische Wertigkeit des Gebietes vergrößern zu können. Auch dafür konnten Fördermittel akquiriert werden.

Eine typische Maßnahme des Konzeptes stellt z. B. der Maßnahmenbereich „Unter der Hardt“ am Oberlauf der Bröl dar (siehe Abb. 2). Beide Ufer der Bröl waren hier durch Steinstickung befestigt, ein Gehölzsaum oder Uferstreifen fehlte. Der Bach wies nur schwache, nach technischen Prinzipien vorgegebene Windungen auf und verfügte über kaum Breitenvarianz. 2017 wurde dann die linksseitige Uferbefestigung entfernt, das Ufer großflächig abgeflacht und Strömungslenker zur Initiierung der Eigendynamik eingebaut. Ein Uferstreifen wurde ausgepflockt und der natürlichen Sukzession überlassen.

Abb. 1: Homburger Bröl: Maßnahmenbereich "Unter der Hardt" vor und nach Maßnahmenumsetzung

Im Gegensatz zum Oberlauf verfügt der Unterlauf der Bröl bereits über viele sehr naturnahe Bereiche, so dass vielerorts vor allem die Behebung von Totholzdefiziten zur Erreichung des von der WRRL geforderten guten ökologischen Zustandes geboten ist. Die Anreicherung mit Totholz initiiert nicht nur die eigendynamische Entwicklung des Gewässers, das Totholz stellt auch ein Strukturelement dar und bietet Schutz und Lebensraum für eine Vielzahl von verschiedenen Organismen. Totholzeinbau wurde im Jahr 2018  an verschiedenen Stellen realisiert (z.B. nahe der Ortschaften Bröleck und Büchel (beide  Ruppichteroth) oder bei Schöneshof (Neunkirchen-Seelscheid), siehe Abb. 3).

Abb. 3: Totholzeinbau an verschiedenen Stellen im Unterlauf der Bröl

Abb. 4: Totholzanreicherung nach Maßnahmenumsetzung

An der Bröl zwischen den Ortschaften Alefeld (Much) und Ahebruch (Nümbrecht) wurden zwischen 2018 und 2020 ebenfalls Gewässerentwicklungsmaßnahme umgesetzt. Die Ufer wurden entfesselt und ein durchgängiger Uferstreifen (auf insgesamt dann ca. 700m Länge) etabliert, sowie Strömungslenker und Totholzelemente in das Gewässer eingesetzt.

Doch nicht nur an der Bröl selbst wird gearbeitet, auch ihre Nebengewässer sollen eine ökologische Aufwertung erfahren. Gezielte Verbesserungen der Ufer des Waldbrölbachs wurden z. B. in Waldbröl-Rossenbach in Angriff genommen. Aufgrund des stark eingetieften Baches, seiner steil abfallenden, befestigten Ufer und eines dichten Fichtenbestandes entlang des Baches waren Dynamik und Ökologie des Waldbrölbachs im Maßnahmengebiet gestört.  Anfang 2018 wurde dort eine Entfichtung auf etwa 40 m Länge und eine Entfesselung und naturnahe Umgestaltung des linken Fließgewässerufers in Form einer Böschungsabflachung durchgeführt und ein Uferrandstreifen von etwa 5 m aus der Nutzung genommen.

Eine weitere Maßnahme, die am Waldbrölbach Ende 2019 umgesetzt wurde, ist der Rückbau ehemaliger Brückenwiderlager direkt hinter dem HUWIL-Einkaufspark in Ruppichteroth. Die Brücke selbst wurde zurückgebaut und die Uferbefestigungen am südlichen Ufer entfernt sowie das Ufer massiv abgeflacht.

Da auch in Zukunft die stetige Verbesserung der Gewässerökologie des Brölsystems eine wichtige Aufgabe des Fachbereiches Gewässerentwicklung ist, sind weitere Maßnahmen schon in Planung. So wurden jeweils in der Nähe der Nümbrechter Ortschaften Guxmühlen und Niederbröl Grundstücke mit stark defizitär ausgeprägten Gewässerläufen für die Gewässerentwicklung über Fördermittel erworben. Die Maßnahmenplanung für diese Flächen läuft derzeit.

Auch am Becher Suthbach stehen der Gewässerentwicklung Flächen zur Verfügung. Der Becher Suthbach ist das einzige berichtspflichtige Nebengewässer der Homburger Bröl und hat daher entscheidenden Einfluss auf die ökologische Qualität des Bröl-Oberlaufes. Hier konnten Uferflächen und auch eine rund 20.000 m² große Teichanlage erworben werden. Auch hier ist der Fachbereich Gewässerunterhaltung derzeit mit der konkreten Maßnahmenplanung beschäftigt.

Auch wenn die Bröl und ihre Nebengewässer durch die Bemühungen des Aggerverbandes von Jahr zu Jahr mehr naturnahe Bereiche aufweist, bleibt weiterhin viel zu tun. Die Fachbereiche Gewässerentwicklung und -unterhaltung werden hier, insbesondere mit Fokus auf die ökologische Entwicklung dieses speziellen Gewässersystems, in den nächsten Jahren gemeinsam aktiv daran arbeiten, die bereits jetzt sichtbaren Erfolge kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Gewässerentwicklungsmaßnahmen im Brölgebiet
Nr. Gewässer Lage Art der Maßnahme Umsetzung
1 Bröl (Oberlauf) Niederhof, Stadt Waldbröl Rückbau einer Teichanlage und Gewässeraufweitung 2020
2 Bröl (Oberlauf) Unter der Hardt, Gem. Nümbrecht Uferentfesselung, Uferstreifenentwicklung, Gewässeraufweitung und Totholzeinbau 2017
3 Bröl (Oberlauf) Huppichteroth, Gem. Nümbrecht Uferentfesselung und –abflachung, Uferstreifenentwicklung 2018
4 Bröl (Mittellauf) Müllerhof, Gem. Nümbrecht Uferentfesselung und Auenentwicklung 2018
5 Waldbrölbach Einkaufzentrum "Huwil", Ruppichteroth Gewässeraufweitung und Uferentfesselung 2019
6 Bröl (Mittellauf) Alefeld, Gem. Much und Ahebruch, Gem. Nümbrecht Uferentfesselung, Gewässeraufweitung, Totholzeinbau und Errichtung einer Schutzzone für natürliche Uferentwicklung 2020
7 Bröl (Mittellauf) Bröler Hof, Gem. Ruppichteroth Verbesserung der Eigendynamik durch Totholzeinbau 2018
8 Bröl (Mittellauf) Büchel, Gem. Ruppichteroth Verbesserung der Eigendynamik durch Totholzeinbau 2018
9 Waldbrölbach Rossenbach, Stadt Waldbröl Uferabflachung und Entfernung von standortfremden Gehölzen 2018

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