1. Wieso sind Legionellen gefährlich?

Legionellen (Legionella) sind bakterielle Krankheitserreger und können dort, wo sie in größeren Konzentrationen auftreten, beim Menschen gefährliche Lungenentzündungen und andere Krankheitssymptome hervorrufen.

Die für Erkrankungen des Menschen bedeutsamste Art ist Legionella pneumophila, der Erreger der Legionellose oder Legionärskrankheit. Der Name Legionärskrankheit stammt von dem Nachweis des ersten bekannt gewordenen Ausbruchs 1976 in einem Hotel in Philadelphia während eines Treffens ehemaliger amerikanischer Soldaten, der sogenannten American Legion.

Eine abgeschwächte Erkrankungsform, das sogenannte Pontiakfieber, ähnelt von den Symptomen her einer Grippeerkrankung.

Eine Ansteckung mit Legionellen kann dann erfolgen, wenn kontaminiertes Wasser in die Lunge des Menschen gelangt, z.B. indem Aerosole, d.h. kleinste Wassertröpfchen, eingeatmet werden, z.B. beim Duschen. Das Trinken von legionellenhaltigem Wasser stellt dagegen für Personen mit intaktem Immunsystem keine Gesundheitsgefahr dar.

Ca. 500 Erkrankungen an Legionellose werden in Deutschland pro Jahr offiziell gemeldet. Die Dunkelziffer liegt um ein vielfaches höher, nämlich bei über 20.000 Erkrankungen pro Jahr.

An das RKI übermittelte Fälle von Legionärskrankheiten in Deutschland nach Meldejahr 2001 bis 2009

(Stichtag für alle Jahre: 01.03.2010). Absolutzahlen (schwarz), Inzidenz pro 1 Millionen Einwohner (weiß).

Quelle: Bundesgesundheitsblatt 2011 - 54: 680-687
Online publiziert: 30. Mai 2011
© Springer-Verlag 2011

 


 

 

2. Wo können Legionellen auftreten? 

Legionellen sind in Süß- und Salzwasser weit verbreitet. Nur dort, wo sie geeignete Lebensbedingungen vorfinden, und sich in hohen Konzentrationen entwickeln können, stellen sie erfahrungsgemäß ein Infektionsrisiko für den Menschen dar.

Im Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgung sind Legionellen bei ordnungsgemäßem Betrieb nicht nachweisbar (0/100 ml). Optimale Lebensbedingungen für Legionellen finden sich dagegen erfahrungsgemäß in Trinkwasserinstallation bei nicht regelgerechtem Betrieb bei Temperaturen zwischen 25 bis 50 °C und langen Verweilzeiten, z.B. in ungeeigneten Armaturen, in nicht regelkonform betriebenen Warmwassererzeugungs- und Warmwasserverteilungsanlagen oder auch in Kaltwasserleitungen mit Wärmeeinwirkung von außen, in Wassertanks, Badebecken und Whirlpools.

 

 


 



3. Was regelt die Trinkwasserverordnung bezüglich Legionellen?

Seit mehreren Änderungen in 2011 und 2012 enthält die TrinkwV 2001 (2012) folgende Regelungen zur Untersuchung auf Legionellen:

Für die Legionellen in der Trinkwasserinstallation wurde in Anlage 3 Tabelle 2 ein technischer Maßnahmewert von 100 KBE (koloniebildenden Einheiten)/ 100 ml eingeführt.

Nach § 3 Nr. 9 TrinkwV 2001 (2012) ist der „technische Maßnahmenwert“ ein Wert, bei dessen Überschreitung eine von der Trinkwasserinstallation ausgehende vermeidbare Gesundheitsgefährdung zu besorgen ist und Maßnahmen zur hygienisch-technischen Überprüfung der Trinkwasserinstallation im Sinne einer Gefährdungsanalyse eingeleitet werden.

§14 (3) TrinkwV 2001 (2012) regelt die Untersuchungspflichten für Anlagen der Trinkwasserinstallation. Das Trinkwasser ist demnach unter bestimmten Voraussetzungen durch systemische Untersuchungen an mehreren repräsentativen Probenahmestellen zu untersuchen.

 





4. Wann besteht die Pflicht zur Untersuchung auf Legionellen? 
 
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Die Untersuchungspflichten gelten nur,

-   wenn Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird

UND

-   die Anlage darüber hinaus eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung darstellt

UND

-die Anlage Duschen oder andere Einrichtungen enthalten, in denen es zu einer Vernebelung von Trinkwasser kommt.

NICHT von  §14 (3) TrinkwV 2001 (2012) betroffen sind also
z.B. privat genutzte Objekte unabhängig von Ihrer Größe,
z.B. alle Objekte mit dezentralen Durchlauferhitzern und ohne zentralen Erwärmer/Speicher
z.B. Anlagen mit Trinkwassererwärmer ≤ 400 l, sofern das maximale Leitungsvolumen zwischen Erwärmerausgang und Entnahmestelle kleiner als 3 Liter ist
z.B. Großanlagen ohne Einrichtungen zur Trinkwasservernebelung.

 


 


5. Was ist eine „Großanlage zur Trinkwassererwärmung“?


Für die Definition einer „Großanlage der Trinkwassererwärmung" ist §3 Nr. 12 TrinkwV 2001 (2012) heranzuziehen.
Danach ist eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung eine Anlage mit 
- Speicher-Trinkwassererwärmer oder zentralem Durchfluss-Trinkwassererwärmer
  jeweils mit einem Inhalt von mehr als 400 Litern oder 
- einem Inhalt von mehr als drei Litern in mindestens einer Rohrleitung zwischen Abgang des Trinkwassererwärmers und
  Entnahmestelle. Nicht berücksichtigs wird der Inhalt einer Zirkulationsleitung.
Entsprechende Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern zählen nicht zu Großanlagen zur Trinkwassererwärmung.

Die folgende Tabelle hilft bei der Abschätzung, ob das Volumen 3 Liter überschreitet:

Leitungsquerschnitt [mm] resultierender Leitungsinhalt [Liter/m]

Leitungslänge [m]
mit der 3 Liter Leitungsinhalt erreicht werden

15 0,18 16,7
18 0,25 12,0
22 0,38 7,9
28 0,62 4,8
32 0,80 3,8
35 0,96 3,1

 


 


6. Was versteht man unter "gewerblicher Tätigkeit"?

Nach §3 Nr. 10 TrinkwV 2001 (2012) ist gewerbliche Tätigkeit die unmittelbare oder mittelbare, zielgerichtete Trinkwasserbereitstellung im Rahmen einer Vermietung oder einer sonstigen selbstständigen, regelmäßigen und in Gewinnerzielungsabsicht ausgeübten Tätigkeit.

 




7. Welche Pflichten haben Vermieterinnen und Vermieter?

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Vermieterinnen und Vermieter haben zu prüfen, ob für die
Trinkwasserinstallation eine Untersuchungspflicht nach den oben
genannten Kriterien besteht. Besteht Untersuchungspflicht, sind die Anlagen ohne weitere Aufforderung auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Ist der technische Maßnahmewert überschritten, ist dies
nach §16 (1) TrinkwV 2001 (2012) dem Gesundheitsamt unverzüglich anzuzeigen.

Nach §16 (7) hat der Unternehmer und der sonstige Inhaber der Wasserversorgungsanlage für den Fall, dass der Maßnahmewert überschritten wird, unverzüglich weitere Maßnahmen zu treffen, die der Ursachenermittlung, der Gefährdungsanalyse und dem Schutz der Gesundheit der Verbraucher dienen.

 




8. An welchen Stellen muss untersucht werden?

 

Anzahl und Beschreibung der repräsentativen Probenahmestellen richten sich gemäß Anlage 4 Teil II b) nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik.

Entsprechend den Vorgaben des DVGW-Arbeitsblattes W 551 für eine orientierende Untersuchung werden bei der Erstuntersuchung Erwärmerausgang, Zirkulationsrücklauf und jeder Steigstrang an einer vom zentralen Erwärmer möglichst weit entfernt liegenden Stelle untersucht.

Es fallen also mindestens drei Proben an. Die genaue Anzahl der Beprobungsstellen ist von den örtlichen Gegebenheiten der Trinkwasserinstallation abhängig.

Eine Reduzierung der Anzahl der Probenahmestellen auf ausgewählte, repräsentative Steigstränge, wie in der Empfehlung des Umweltbundesamtes vom 23.08.2013 "Systemische Untersuchungen von Trinkwasserinstallationen auf Legionellen nach Trinkwasserverordnung" vorgeschlagen, liegen in der Verantwortung des Betreibers.

Zur Entnahme der Proben müssen nach §14 (3) TrinkwV 2001 (2012) nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik geeignete Probenahmestellen an den Wasserversorgungsanlagen vorhanden sein.

Die Probenahmestellen müssen so beschaffen sein, dass eine Desinfektion, bevorzugt durch Abflämmen, und eine gefahrlose Entnahme der Wasserprobe möglich ist. Kalt- und Warmwasser müssen getrennt voneinander beprobt werden können.

 

 




9. Wie häufig ist zu untersuchen?

 Nach Anlage 4 Teil II b) TrinkwV 2001 (2012) sind Trinkwasserinstallationen, die die in Abschnitt 4 genannten Kriterien erfüllen, und aus denen im Rahmen einer gewerblichen, nicht aber öffentlichen Tätigkeit Trinkwasser abgegeben wird (hierzu zählen vermietete Mehrfamilienhäuser), mindestens alle drei Jahre entsprechend den Vorgaben des §14 (3) zu untersuchen. 

Die erste Untersuchung muss bis zum 31. Dezember 2013 abgeschlossen sein.

 


 


10. Führt der Aggerverband Untersuchungen auf Legionellen durch? 

Das Labor des Aggerverbands erfüllt als akkreditiertes und für Untersuchungen nach TrinkwV zugelassenes Labor alle Anforderungen und hat bereits seit mehreren Jahren Erfahrung mit der Untersuchung auf Legionellen in privaten und öffentlichen Trinkwasserinstallationen und Schwimmbädern.

Die Probenahme wird durch geschulte und erfahrene Probenehmer/innen des Aggerverband-Labors durchgeführt.

 


 


11. Was kostet mich eine Untersuchung durch den Aggerverband? 

Analyse:        40 - 65 € je Probe

Probenahme: Zone 1 (Umkreis bis 20 Kilometer): 25 € An-/Abfahrt und Probenahme von 1 Probe; 

                    Zone 2 (Umkreis von 21 - 40 Kilometer): 35 € An-/Abfahrt und Probenahme von 1 Probe;

                    Zone 3 (Umkreis über 40 Kilometer): 45 € An-/Abfahrt und Probenahme von 1 Probe;

                    10 € je weitere Probe (bei allen Zonen gleich);

                    sehr kurzfristige Probenahme nach Aufwand

Alle Preise verstehen sich zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer  

Ein ausführliches Angebot können Sie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anfordern.

 


 

Links zu weitergehenden Informationen:

Umweltbundesamt www.umweltbundesamt.de
  

Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) www.dvgw.de


Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew)  www.bdew.de

Robert-Koch-Institut www.rki.de